Harthouse

Das Label Harthouse wurde 1992 in Frankfurt / Offenbach von Matthias Hoffmann, Heinz Roth und dem bekannten Frankfurter DJ Sven Väth gegründet. Harthouse, in den frühen Jahren von 1992 bis 1997 ein Sublabel von Eye Q Records, wurde als Plattform für Newcomer-Künstler ins Leben gerufen. Es stand für einen härteren, minimalistischeren Sound, der nicht in die kommerzielle Linie von Eye Q Records passte. Sven Väth kommentierte das so: “Wir wollten eine Bühne schaffen, einen Spielplatz – sogar einen experimentellen – und ich denke, das ist uns gelungen.

Am Anfang definierte Harthouse (auch bekannt als “Harthouse Frankfurt“) einen Sound, der als “Sound Of Frankfurt” bekannt wurde, eine härtere, aber tanzbare Version von “Trance” – eben “Hard House” oder “Harthouse”. Die erste Veröffentlichung wurde vom Harthouse-A&R höchstselbst, Sven Väth, produziert. Sein Co-Produzent war bis zum Jahr 2000 Ralf Hildenbeutel, der heute noch die Produktionsfirma “Schallbau” betreibt.

Sven Väth veröffentlichte zusammen mit den anderen “Schallbau”-Mitgliedern Steffen Britzke (alias B-Zet) und Matthias Hoffmann (alias AC Boutsen) auch selber verschiedene Projekte auf Harthouse.

Die Entscheidung, was auf Harthouse veröffentlicht wurde und was nicht, lag von Anfang an bei Sven Väth. In den ersten Jahren wurden Harthouse-Veröffentlichungen stark limitiert, auf etwa 2000 Kopien pro Release. Die Weißmuster-Promo-Liste wurde ebenfalls klein gehalten. In kürzester Zeit wurde Harthouse zum Flaggschiff der deutschen Techno-Szene. Das Label wurde weltweit bekannt, seine Künstler wurden Stars der internationalen Szene mit hohen Platzierungen in den Charts.

Aufgrund der limitierten Auflagen und Qualitätsfreigaben stieg die Nachfrage rasant. Der erste große Erfolg war Hardfloors (Ramon Zenker & Oliver Bondzio) erste Veröffentlichung “Hardtrance Acperience” (1992, HH-008). In Deutschland kaum beachtet, zog sie in die britischen Charts ein (1992/93, Platz 56), als sie dort ein halbes Jahr später lokal veröffentlicht wurde. Dem Trend, von Track zu Track mit ständig wachsender Geschwindigkeit zu produzieren, entgegenzutreten, war 1992 eine revolutionäre Idee. Bis heute gibt es eine internationale Nachfrage nach Remixen von Hardfloor. Beispiele sind Mory Kanté, The Shamen und Anne Clark. Dann folgte ein Hit dem anderen: ArpeggiatorsMögliche Zukunft der Menschheit” (HH-016), Hardfloors “Trancscript” (HH-019) (Platz 72 der UK-Charts 1993) oder Resistance D.s “Human EP” (HH-020).

Begründet durch den schnellen, weltweiten Erfolg wurden 1992 auch gleich Abteilungen im Ausland gegründet: “Harthouse UK” in England, vertrieben von “Rising High“, und “Harthouse America”, in den USA mit einem Lizenz-Deal mit “Moonshine Music“. Aber bald darauf, im Jahr 1994, wurde der Deal mit “Rising High” aufgelöst und Harthouse eröffnete eine eigene Vertriebsabteilung in Großbritannien. Die Zusammenarbeit mit “Moonshine Records” in den USA erwies sich ebenfalls nicht so erfolgreich wie erhofft.

1997 war das schlimmste Jahr für Harthouse. Künstler wurden nicht oder zu spät bezahlt, aber mit Hoffnung auf zukünftige Zahlungen beruhigt. Anfang des Jahres war bereits die Verwirrung komplett: Sven Väth verließ das Label. Die Firma zog dann von ihrem großen Büro in Offenbach nach Berlin. Zwei Monate später war die Firma zahlungsunfähig und meldete Insolvenz an. Die Geschäftsführer zeigten sich nicht bereit, die Gründe für die Insolvenz zu kommentieren. Aber die ungeheuren Diskrepanzen zwischen den angestrebten Zielen und der Realität lagen auf der Hand: Einerseits wollten sie ein deutsches Techno-Underground-Label sein, andererseits mieteten sie ein mehrstöckiges Büro, das bezahlt werden musste; und sie reduzierten den Umsatz durch die selbst auferlegte Limitierung, während die Geschäftsführer begannen, zu ihren Zweigstellen in Großbritannien und den USA zu jetten.

Für alle Beteiligten war klar: Das konnte nicht funktionieren. Die Begrenzung der Auflagen wurde noch schnell genug gestoppt, aber der Umzug in ein kleineres Büro kam zu spät.

Pascal FEOS (Resistance D.) sagte zu dieser Zeit: “Ich wüsste selber gerne mehr. Natürlich haben wir keine Lizenzabrechnungen mehr bekommen.” Ramon Zenker (Hardfloor) folgte mit dem Kommentar: “Am Ende sind immer neue Leute ans Telefon gegangen, wenn ich Harthouse angerufen habe. Geld bekam ich allerdings nie. Glücklicherweise hatten wir eine Klausel in unserem Vertrag, die uns berechtigte, bei verspäteter Zahlung das Geld einzutreiben. Damit waren wir einige der letzten Leute, die überhaupt Geld bekommen haben. ”

Als Sven Väth nach seinem Ausstieg aus der Firma gefragt wurde, erwähnte er Interessenskonflikte zwischen seinen Partnern und ihm selbst sowie ernsthafte Zweifel an der Diskrepanz zwischen seinen anfänglichen Träumen, die ihm Kraft gegeben hatten, und der traurigen Realtität der ganzen Unternehmung.

Anfang 1998 übernahm UCMG (Under Cover Music Group) die Rechte zur Nutzung des Markennamens des Labels sowie der Marke “Harthouse“. Für UCMG Germany war ein wesentlicher Punkt dieser Übernahme die Zusicherung, den Künstlern / Autoren das Nutzungsrecht an ihren Titeln zurückzugeben. UCMG Germany hat deshalb zunächst eine “Retrospective Box”-Reihe herausgegeben, eine Sammlung der erfolgreichsten Releases von Harthouse. Ramon Zenker (Hardfloor) sagte dazu: “Diese Compilation ist eine gute Möglichkeit für alle Künstler, ein paar Mark mit ihrem Repertoire zu verdienen und dadurch den durch Harthouse verursachten Schaden ein bisschen aufzufangen.”

Nach diesen ersten Compilations startete Harthouse bei UCMG Germany eine neue Reihe von Single-Veröffentlichungen sowie einige Alben- und Promo-Releases. A&R des neuen Harthouse war Oliver Bondzio. Das Design der Veröffentlichungen wurde von den minimalistischen schwarzen Hüllen mit dem blauen Harthouse-Logo zu weißen Hüllen mit grauem Logo geändert. Die Release-Liste wurde kurz gehalten. In den Jahren von 1998 bis 2003, in denen Harthouse unter UCMG existierte, erschienen auf dem Label nur 9 Singles, ein paar Alben und, was bei Harthouse neu war, ein paar DJ Mix-CDs von verschiedenen DJs wie Oliver Bondzio, Frank Lorber und Plank. Es erschien auch eine ausländische Veröffentlichung von Hardfloor unter Harthouse UK bei UCMG United Kingdom.

Im Jahr 2001 begann Harthouse mit der Wiederveröffentlichungeiniger alter Hardfloor-Alben (“TB Resuscitation” Remastered und “Respested” Remastered) neu zu veröffentlichen, die in den frühen 90er Jahren unter Eye Q Records erschienen waren. Diese Re-Releases verkauften sich sehr gut, auch die Single-Releases wurden recht erfolgreich.

2004 übernahm daredo media aus Mannheim die Rechte an der Marke Harthouse (“Harthouse Mannheim“). Es wurde eine andere Release-Strategie angegangen als bei UCMG Germany, mit einem neuen Design (basierend auf dem alten Harthouse-Stil) und qualitativ hochwertigen Releases sowohl von etablierten, als auch von zu dieser Zeit noch relativ unbekannten Künstlern wie zum Beispiel Zoo Brazil, Gui Boratto, Hardfloor, Der Dritte Raum, Boris Brejcha, Ken Ishii, Joey Beltram, Joel Mull, Jesper Dahlbäck, Alexi Delano – eine angemessene Nachfolge des alten Harthouse-Sounds und Mythos.

Ende 2017 kam die nächste große Veränderung. Die Firma UCM.ONE aus Berlin übernahm das Label Harthouse und alle Rechte von der daredo media. Als erstes Release kam das Album “Der Dritte Raum – D3R-25” mit neuen Remixes bekannter Titel heraus, gefolgt vom einem neuen Album, welches im Herbst 2018 veröffentlicht wurde. Mit diesen neuen Releases startete Harthouse nun sein viertes Kapitel – jetzt in der Hauptstadt. War noch in den 90ern der Frankfurter Sound und damit auch das Flagschiff Harthouse der Gegenpol zur (West-)Berliner Technoszene rund um Westbam, Dr. Motte und DJ Dick, ist nun nicht nur das Label in der Hauptstadt Berlin angekommen, sondern veröffentlicht auch mit “Der Dritte Raum” einen ebenfalls inzwischen in Berlin ansässigen Act, der schon in der Frankfurter Zeit einer der bekanntesten und erfolgreichsten Artists auf dem Label war.

Neuigkeiten

Album ab heute erhältlich: “Sikora – Weitermachen!” (Harthouse)

Stephan Straka aka Sikora ist ein Produzent im Bereich der elektronischen Musik. Diese Aussage ist korrekt, jedoch wird sie weder seiner beeindruckenden Hingabe zur Musik noch seinem tatsächlichen Talent, nämlich der Schaffung neuer Klänge und dem Sprengen von musikalischen Grenzen, gerecht. Wir möchten Sikora lieber als “Musikwissenschaftler” oder gar “Chirurg” bezeichnen, auf Grund seiner Detailverliebtheit…

Mehr lesen

Erste Singleauskopplung “Plough” aus dem zukünftigen Album von Sikora “Weitermachen!” (Harthouse)

In Form eines kleinen Vorgeschmacks auf sein bevorstehendes Album “Weitermachen!” serviert uns Sikora mit “Plough” eine beeindruckende Demonstration seines Könnens. Neben dem Original warten  hier gleich drei weitere Interpretationen auf uns und lasst uns folgendes vorab verraten: eine Version übertrumpft die andere. Den Auftakt macht die “Defective Version”, ein monströses Klangerlebnis im Stile der Industrial…

Mehr lesen

Beatport exklusiv: “DJ Lion & Just Julien & Britta Arnold – Beeast EP”

Wenn ein serbisch-stämmiger Workaholic seine Kräfte sowohl mit einem französischen Musikbotschafter für Thailand als auch einem wahren Berliner Original bündelt, werden wir hellhörig. Das Resultat dieser elektrifizierten, multikulturellen Symbiose zwischen DJ Lion, Just Julien und Britta Arnold darf nun endlich auf dem Label Harthouse bestaunt werden. Mit seinem rollenden Bass, einer gespenstischen Sythesizer Hookline und…

Mehr lesen

“Frank de Wulf – My Definition of…” (Harthouse) ab heute überall erhältlich

Wir kriegen nicht genug von Frank de Wulf und freuen uns daher, ihn mit einer neuen EP namens My Definition of… zurückheißen zu dürfen. Nach seines grandiosen Re-Releases von “Drums in a Grip” kehrt Frank de Wulf mit einem neuen Big Floor Brett zurück. Die A-Seite Supertonic ist ein mächtig groovendes, stark repetitives und hypnotisches Warehouse-Schwergewicht,…

Mehr lesen

Katalog sowie bisher unveröffentlichte Single aus der Harthouse Frankfurt-Zeit von Eternal Basement ab jetzt erhältlich

Eternal Basement eroberte die Szene mit Veröffentlichungen auf Harthouse Frankfurt Mitte der 90er Jahre. In letzter Zeit hatte Michael Kohlbecker mit einem Relaunch auf einem eigenen Label den Sound von Eternal Basement komplett verändert – eher minimalistisch und techhousy statt Trance und Acid. Daher sind wir froh, endlich seinen Back-Katalog über Harthouse wieder den alten Frankfurt Fans…

Mehr lesen