Los Reyes – Königliche Streuner

Los Reyes (deutsch: “Die Könige“) ist der älteste Skatepark in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Der Film “Los Reyes – Königliche Streuner” handelt aber nicht in erster Linie von den Skatern, sondern von den wahren Königen dieses Mikrokosmos: Futbol und Chola, zwei unzertrennbaren streunenden Hunden, die zwischen rasenden Skateboards und lärmenden Teenagern im Park ihr Zuhause gefunden haben.

Die jüngere und lebhaftere Chola liebt es, mit den Bällen zu spielen, die überall herumliegen. Ihr Lieblingsspiel ist es, einen Ball auf den Rand des Parkours, wo die Skater ihre Tricks zeigen, zu legen und zu versuchen, ihn aufzufangen, kurz bevor er herunterfällt. Futbol, der ältere von den beiden, schaut ihr dabei oft ungeduldig zu. Er wiederum trägt ständig irgendetwas im Maul herum und findet großen Spaß daran, Dinge durch die Gegend zu schleppen und anzunagen.

Die Teenager um sie herum kommen aus sehr unterschiedlichen, manchmal schwierigen Verhältnissen. Sie haben alle ihre eigenen Geschichten und Probleme, die man im Hintergrund in ihren Gesprächen mitverfolgt, während die Kamera die subtile Interaktion zwischen den beiden Hunden einfängt, wie sie schlummern, einem Ball nachjagen oder einfach nur herumschnüffeln.

Los Reyes – Königliche Streuner“, der im deutschsprachigem Raum auf dem Filmlabel NONFY Documentaries veröffentlicht wird und über den Verleih UCM.ONE zu sehen ist, ist ein meditativer, fast märchenhafter und gleichzeitig sehr ergreifender Dokumentarfilm, der nur durch die Beobachtung zweier Hunde eine ganze Welt erzählt.

Über die Regisseure, von Iván Pinto (La Fuga):

Die dokumentarische Arbeit von Bettina Perut und Iván Osnovikoff hebt sich seit ihren Anfängen durch das gewagte und kreative Vorgehen bei ihren Themen, ihrer Bearbeitung und ihren Standpunkten hervor. Mit sieben Langfilmen ist ihre poetische Reise voller Wendepunkte und Wandlungen, die mit den technologischen und kulturellen Veränderungen ihrer Zeit einhergingen und die beständigsten und konservativsten Prämissen des Dokumentarfilmschaffens in Frage stellen. Ihr Werk hat sich von einer sehr physischen und gestischen ersten Etappe mit einem Fokus auf die Kamera und einem voyeuristischen Drang in Filmen wie “Martin Vargas from Chile” (2000) oder “A Man Aside” (2002), die die performative Dimension ihrer Protagonisten (des Boxers Martín Vargas im ersten und einem Fantasten von Manager im zweiten) hervorheben, zu einer visuellen Stilisierung hin entwickelt, die mit der Übung einer “umgekehrten Ethnographie” begann in “Welcome to New York” (2006), einen Angelpunkt in der ethischen Erforschung des Feldes (und seiner Grenzen) in “News” (2009) fand und in ihrem letzten Werk “Surire” (2015) einen Höhepunkt erreicht, einem Dokumentarfilm über eine Salzebene im Hochland, in dem Landschaft, Natur, Tiere und Menschen mit einem Blick beobachtet werden, der das Sinnliche mit der Materialität verbindet.

Bevor sie zu Schlussfolgerungen kommen, werfen die Dokumentarfilme von Perut + Osnovikoff Fragen auf; sie hinterfragen Grenzen und den gesunden Menschenverstand. Dies ist zum Beispiel bei den beiden Filmen über das soziale Gedächtnis der Fall, zum einen dem Film “Clever Monkey Pinochet versus La Moneda’s Pigs” (2004), in dem Gruppen von Schulkindern den Militärputsch durch schauspielerische Improvisationen darstellen, in denen das Spiel mit der Parodie kombiniert wird und von einer widersprüchlichen Gegenwart spricht, die sich in den Körpern manifestiert. Das Thema betonen sie noch stärker in “The Death of Pinochet” (2011), einem “sozialen Fresko” rund um den Tag von Pinochets Tod, das den Körper als Horizont des ultimativen Sinnes zeigt, in dem sich die öffentliche Aufführung der Politik (mit ihren Leidenschaften, ihrer Erschöpfung und ihrem Niedergang) begründet. Obwohl ihr Schaffen diskutiert und sogar von einigen Kreisen an den Rand gedrängt wurde, ist ihr Anliegen nur gewachsen und hat neue Wege eröffnet, einschließlich des Dokumentarfilms als eine bildhafte und soziale Erkundung.

Original Titel: Los Reyes

Regie: Bettina Perut, Iván Osnovikoff

Produzentin: Maite Alberdi

Koproduzent: Dirk Manthey

Kamera: Pablo Valdés, Adolfo Mesías

Ton: Iván Osnovikoff

Schnitt: Bettina Perut, Iván Osnovikoff

VFX: Jaime Gándara

Musik: Michael Fakesch

Abmischung: Roberto Espinoza

Produktionen: Perut + Osnoviko Ltda, Dirk Manthey Film UG

Produktionsjahr: 2018

Genre: Dokumentation

Länder: Chile, Deutschland

Drehort: Santiago (Chile)

Sprachen: Spanisch

Untertitel: Deutsch, Englisch

 

Länge: 75 Min

FSK: 6

Seitenverhältnis: 1:1.78

Ton: Stereo 5.1 Surround / Stereo 2.0

Auflösung: Full HD

Weitere Titel:

Deutsch: Los Reyes – Königliche Streuner

Englisch: Los Reyes – Cola and Football

Taiwanesisch: 犬犬風塵

Preise:

2019 Amsterdam, International Documentary Film Festival: “Special Jury Award” für den besten langen Dokumentarfilm -> Bettina Perut, Iván Osnovikoff

2019 Millennium Docs Against Gravity:National Geographic Award” für die beste Kamera -> Pablo Valdés

2019 Viña del Mar Film Festival: “Grand Paoa” für den besten Dokumentarfilm -> Bettina Perut, Iván Osnovikoff

Filmlabel: NONFY Documentaries

Verleih: UCM.ONE

 

Kinostart: 10.06.2021

DVD-Veröffentlichung: tba

VoD-Veröffentlichung: tba

Interview mit den Regisseuren:

“Wie entstand die Idee, Los Reyes zu machen?”

Bettina: “2009 schenkte ich Iván zu seinem Geburtstag ein Skateboard, damit er wieder fahren konnte. Er war seit 25 Jahren nicht mehr geskatet und träumte davon, es wieder zu tun. Also begann er, jede Woche in den Skatepark von Los Reyes zu gehen. Er freundete sich mit den jungen Skatern dort an und bekam ihre Gespräche mit, von denen er mir später erzählte und die sehr interessant waren. Anfang 2013 kam dann bei uns die Idee auf, einen Film in Los Reyes zu drehen, der sich um die Jugendlichen dreht. Anfangs war ich von der Aussicht, mit Teenagern zu arbeiten, nicht sehr begeistert, aber als die Idee sich entwickelte, wurde ich mehr und mehr überzeugt.”

Iván: “Die Finanzierung des Projekts ging recht schnell, und Ende 2015 waren wir bereits dabei, erste Aufnahmen zu machen. Damit begannen auch unsere Probleme: Die Skaterinnen und Skater waren vor der Kamera angespannt, sie waren gehemmt, andere agierten übertrieben, ihre Gespräche waren leer, es funktionierte nicht. Zudem war Bettina mit dem visuellen Stil unzufrieden, sie fand, dass die Form zu konventionell sei, dass sie nicht mit unserer künstlerischen Identität übereinstimme und dass wir hier ins Reality TV abrutschten.”

“Wann sind die Hunde auf der Bildfläche erschienen?”

Bettina: “Futbol und Chola tauchten gerade im schlimmsten Moment der Krise auf. Eines Tages skatete Iván in Los Reyes und ich rief ihn an, um ihm mitzuteilen, dass der Film gescheitert sei und abgebrochen werden müsse. Er versuchte mich zu überzeugen, dass das keine Option sei, dass wir unbedingt weitermachen müssten, und neben vielen anderen Dingen erzählt er mir, dass genau in diesem Moment zwei Hunde mit einem Ball am Parkours spielten und dass ich mir das ansehen müsse.”

Iván: “Am nächsten Tag ging Bettina also zu den Hunden und war gefesselt. “Der Film muss von diesen beiden Hunden handeln”, sagte sie. Ich war nicht einverstanden. Wir mussten die Hunde mit einbeziehen, aber es gab keinen Grund, die Skater deshalb auszuschließen! Für Bettina aber waren die Hunde genau das Objekt für audiovisuelle Experimente, nach dem wir gesucht hatten und das unsere Probleme lösen sollte.”

Bettina: “Auf jeden Fall habe ich Iván davon überzeugt, dass wir von nun an die Dreharbeiten auf die Hunde konzentrieren müssen, weil ihnen jederzeit etwas passieren konnte, während die Skater immer da sein würden. Jeder Produzent wäre bei einer solchen Änderung in Panik geraten, aber Maite Alberdi und Dirk Manthey haben uns immer unterstützt. Dasselbe gilt für Pablo Valdés, unseren Kameramann, und die Institutionen, die den Film unterstützt haben. Wir sind sehr dankbar.”

Iván: “Und wir haben zehn Monate damit verbracht, die Hunde zu filmen. Am Ende hat sich Bettinas Eingebung, dass der Film von Futbol und Chola handeln muss, von selbst durchgesetzt. Sie hatte absolut Recht. Die Hunde monatelang zu filmen, bedeutete, sie im Detail zu erkunden, Dimensionen und unerwartete Beziehungen zu entdecken, überraschende Bilder. Und die Skater blieben im Film, aber auf eine untergründigere Weise, sie wurden Teil der Klangatmosphäre der Welt der Hunde, dessen, was sie umgab.”

“Was sagten die Skater, als sie sahen, dass Sie Football und Chola filmten?”

Bettina: “Zuerst waren sie etwas verwundert, sie haben nicht verstanden, was das Schöne an diesen Hunden ist. Aber für uns war das sehr gut, denn von da an verloren sie ihre Hemmungen. Als sie wussten, dass sie nicht mehr die Protagonisten waren, fingen sie an, sich zu entspannen und vor uns und vor der Kamera sie selbst zu sein. Denn obwohl wir im Film nur ihre Stimmen hören und sie nie sehen, wurden die Aufnahmen immer mit der Kamera gemacht.”

“Was war das Ergebnis dieses Prozesses?”

Iván: “Was schließlich dabei herausgekommen ist, ist ein Film über einen Mikrokosmos, den Skatepark Los Reyes, aus der Sicht des Alltags von zwei wunderbaren Hunden, Futbol und Chola, die sich lieben und die umgeben von Insekten, Schnellstraßen und menschlichen Heranwachsenden leben, die wiederum versuchen, auf eine etwas ungeschickte Art und Weise im Leben anzukommen. Worauf wir stolz sind, ist, dass all diese Dimensionen ineinander greifen und, wie es aussieht, ein starkes Kinoerlebnis schaffen.”

Kino Trailer (deutsch)

Pressestimmen

“Los Reyes ist ein mutiges und erfolgreiches Experiment: Es stellt die Perspektive der Tiere in den Mittelpunkt, nicht als Metapher für etwas Menschliches, sondern für sich selbst stehend. (The Guardian)

“Das Geplapper der Jugendlichen, der tägliche Trott der Hunde aus Ruhe und Spiel wiegen uns in einen kontemplativen Zustand, der es uns erlaubt, das Geheimnis des Daseins besser zu verstehen. (The New York Times)

“Die deutsche Koproduktion wurde rund um die beträchtliche Leinwandpräsenz der unzertrennlichen Hauptdarsteller Chola und Futbol gebaut, es passiert nicht viel, aber sie hat viel Atmosphäre und bescheidenen Charme. (Hollywoodreporter)

“Der entspannte Dokumentarfilm von Bettina Perut und Iván Osnovikoff ist ein Slow Burner, hat aber einen hypnotischen Charme. (Screendaily)

“Wie ein Nachmittag, den man beim Skaten oder Sonnenbaden im Park verbringt, ist der Film eine Flucht vor dem Stress da draußen, ein Hauch von Freiheit in einer geschäftigen Welt.” (Variety)

Neuigkeiten

UCM.ONE bringt die Dokumentation “Los Reyes – Königliche Streuner” von Bettina Perut & Iván Osnovikoff in die Kinos

Der Film “Los Reyes – Königliche Streuner” wird auf der Filmlabel NONFY Documentaries über den Verleih UCM.ONE im deutschsprachigen Raum am 10.06.2021 in die Kinos kommen. Der Film handelt aber nicht in erster Linie von den Skatern des bekannten und ältesten Skaterparks Los Reyes in der chilenischen Hauptstadt Santiago  sondern von den wahren Königen dieses Mikrokosmos: Futbol und Chola, zwei…

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Der Dokumentarfilm “Los Reyes” (NONFY Documentaries) feiert auf dem Dok.fest München (vom 8.-19. Mai 2019) seine Deutschland-Premiere. Der Film erzählt die Geschichte der chilenischen Skatepark-Jugend in Santiago aus der Perspektive zweier Straßenhunde Chola und Futbol. Die beiden Streuner lauschen den Gesprächen der Jugendlichen, die Tag für Tag auf ihren Boards in ihrem Revier abhängen, Bier…

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