Regiekommentar
von Alexander Conrads
Als ich mich Ende 2020 nach fast fünf Jahren Beziehung von meiner damaligen Freundin getrennt habe, waren wir beide knapp bei Kasse und weder sie noch ich hatten Lust auf die stressige Suche nach einer neuen Wohnung. Außerdem befanden wir uns mitten in der Corona-Pandemie, die die Suche zusätzlich erschwert hätte. Also beschlossen wir, erstmal in der gemeinsamen Wohnung zu bleiben. Was dann geschah, überraschte uns beide: Während wir uns in den Monaten vor der Trennung ständig gestritten hatten, verstanden wir uns plötzlich richtig gut. Die Erkenntnis, dass keine/r von uns dem/der anderen zuvor absichtlich schaden wollte, sondern wir einfach als Paar nicht (mehr) funktionierten, ließ einen Knoten platzen, der sich in den Jahren zuvor immer fester zugezogen hatte.
Das Ganze ging so lange gut, wie wir vermieden, über die Zukunft nachzudenken oder zu sprechen. Davon, dass das weitere Zusammenwohnen uns davon abhielt, wirklich mit der Beziehung abzuschließen, merkten wir eine ganze Weile lang nichts. Genauso wie meine beiden ProtagonistInnen Sophie und Jojo, die ebenfalls in einem solchen Beziehungsvakuum leben und die Augen davor verschließen, dass ihr aktueller Umgang mit der Situation keine Dauerlösung ist. Aber weil beide mit Mitte 30 immer noch nicht wirklich erwachsen geworden sind und ihre Leben von Unsicherheiten geprägt sind, halten sie an dem fest, was sie kennen – einander. Viele junge Menschen sehen sich heute mit unsicheren Zukunftsaussichten konfrontiert. Sei es durch Kriege, die Klimakrise oder die Aussicht, bis mindestens 70 arbeiten zu müssen – es fällt schwer, die aktuellen Entwicklungen positiv zu sehen. Sei es im Job, in Beziehungen oder in Freundschaften, loslassen fällt vielen Menschen schwer. Mir auch.
„zusammen ist man weniger getrennt.“ erzählt mit Humor, Herz und schnellen, pointierten Dialogen von der schwierigen Erkenntnis, dass das Leben kein Wunschkonzert ist, Angst vor Neuem nicht vor Veränderungen bewahrt und wir in den ein oder anderen sauren Apfel beißen müssen, um uns als Menschen weiterzuentwickeln. Wir begleiten zwei Menschen in ihrem Alltag, die eigentlich verstanden haben, dass sie nicht mehr zusammengehören und trotzdem den Absprung nicht schaffen. Die sich im Laufe des Films weiterentwickeln, ohne schließlich an einem Endpunkt ihrer Entwicklung angekommen zu sein oder alle ihre Probleme gelöst zu haben. Und die uns trotz (oder gerade wegen) ihrer Ecken und Kanten am Ende des Films ans Herz gewachsen sind.