Character One: Susan:

Diagnose: Schizo-affektiv und bipolar. Was heißt das? Regisseur Tim Lienhard gibt Susan eine Bühne, inszeniert sie als Filmdiva und verbindet ihre faszinierende Leinwandpräsenz mit ihrer schonungslosen Offenheit zu einer opulenten, mitreißenden Performance.

Inhaltsangabe:

Susan, Anfang 50, ist eine ausgesprochen attraktive Frau. Doch die Halbitalienerin, geboren Anfang der 60er Jahre in Berlin, ist krank. Sie ist bipolar und hat eine schizoaffektive Störung. Sie habe tausend Leben gelebt, sagt sie stolz in die Kamera, zugleich aber betont sie, dass ihr Leben bereits mit 11 Jahren aufgehört habe. Denn da wurde sie sexuell missbraucht.

Trotz guter Schulleistung und dem Versuch, einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen, führte sie nie ein gewöhnliches Leben. Die Königin der Berliner Technoclubs der 90er Jahre, einst Drogen-Dealerin und Weltenbummlerin, verteidigt bis heute ihre Unabhängigkeit. Diese hat ihren Preis, denn Susan lebt in Berlin von Sozialhilfe und hat eine Betreuerin. Sie ist Alkoholikerin und befindet sich in einer co-abhängien Beziehung zu einem deutlich jüngeren Mann. Eine Vergewaltigung in der Zeit der Dreharbeiten setzt bei Susan Angstzustände frei. Doch sie spricht offen und offensiv über all das, was ihr zugestoßen ist. So ist dieser Film auch eine hochaktuelle Auseinandersetzung mit Sexismus aus der Perspektive einer schönen, missbrauchten Frau.

Dass sie unter Zwangsstörungen leidet, ist ebenfalls Thema des Films. Mit ihrem beeindruckenden Talent, zu performen, sich selbst zum Thema zu machen und dies auf ganz starke, selbstbewusste und reflektierte Art, zieht Susan den Filmemacher Tim Lienhard, den sie vor 25 Jahren auf der Loveparade in Berlin kennengelernt hatte, in ihren Bann.“Character One: Susan“ ist das Porträt der außergewöhnlichen Frau.

Über Tim Lienhard:

Geboren 1960 im Schwarzwald (Villingen), machte Tim Lienhard Abitur in Konstanz und studierte an der FU Berlin und der Universität zu Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik und Geschichte. Seit 1983 arbeitet Tim Lienhard als Fernsehreporter für den WDR und die ARD und seit über 25 Jahren auch für Arte. Er hat über tausend Magazinbeiträge für das deutsche und französische Fernsehen realisiert und weit über 70 Fernseh-Features  und Dokumentationen. Sein erster, unabhängig produzierter und selbst finanzierter Kinofilm „One Zero One – The Story of Cybersissy & BayBJane“ kam 2014 in die Kinos, mit einem offiziellen Kinostart und entsprechender medialer Beachtung. Diese 90-minütige Dokumentation über zwei Drag-Queens wurde auf über 50 internationalen Filmfestivals gezeigt (deutsche Premiere bei den Hofer Filmtagen 2013) und erhielt mehrere internationale Auszeichnungen als beste Dokumentation in den Jahren 2013 und 2014. Mit „Character One: Susan“ möchte Tim Lienhard weiterhin seine von Auftraggebern und Finanziers vollkommen unabhängige Eigenständigkeit bewahren.

Original Titel: Character One: Susan

Regie: Tim Lienhard

Drehbuch: Tim Lienhard

Mitwirkende: Susan Angelini, Aydin Üretmen, Bavara, BayBJane

Schauspieler*innen: Christian Anhuth, Moritz Haase, Lukas Preuss, Absinthia Absolut

Produzent: Tim Lienhard

Kamera: Alexander Schmalz, Tim Lienhard

Schnitt: Frédéric Sapart, Tim Lienhard

Produktion: 101 Movie UG

Produktionsjahr: 2018

Genre: Dokumentation

Land: Deutschland

Sprache: Deutsch

Untertitel: Englisch

 

Länge: 80 Min

FSK: ab 16 Jahren

Seitenverhältnis: 16:9

Ton: Stereo

Auflösung: HD

Helga Lienhard gewidmet

Premiere: Achtung berlin (Deutschland) 2018

Filmlabel: Darling Berlin

Verleih: UCM.ONE

 

Kinostart Deutschland: 16.01.2020

DVD-Start: 25.09.2020

VoD-Start: 25.09.2020

Regiekommentar von Tim Lienhard:

„Anfang der 90er Jahre am Ende der Loveparade. Als die Loveparade nur über den Ku´damm zog und am Wittenbergplatz endete. Da stand plötzlich Susan vor mir. Eine 1,80m große Frau, die vielleicht nur 1,75m groß war, aber übergroß wirkte. So viel Persönlichkeit, so viel Glanz, High Heels und perfektes Make-up. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie behauptete, wir beide seien tags drauf auf der Titelseite der BZ abgelichtet gewesen. Klischee pur: Zwei feiernde Loveparade-People, die funky und sexy wirkten. Dann feierten wir durch die 90er Jahre. Susan war dauer-druff, all das erzählt sie im Film. Ich war komplett abstinent, das Gegenprogramm von Susan und doch eine glanzvolle Ergänzung. Als ich eine Assistentin für eine TV-Produktion in Rimini suchte, engagierte ich Susan, denn sie ist zwar in Berlin geboren, ihr Vater aber stammte aus der Nähe von Rimini. Die Produktionsfirma ließ sich von Susans Fotos hinreißen und engagierte sie nicht als Assistentin, sondern gleich vor die Kamera. Problem nur: ihre Haare. Ich musste als erstes mit ihr eine Perücke in Rimini kaufen. Mit der machte sie dann Bella Figura bei ihrem ersten und bisher einzigen Auftritt im Fernsehen.

Keine Frage, mich faszinierte von Anfang an Susans Performance. Wo sie war, war Performance. Das war nichts Inszeniertes, das war immer echt. Und mega amüsant. Geschult im Nachtleben, in einer Sprache, die fasziniert. Ganz große Unterhaltung. So war es nur eine Frage der Zeit, wann ich einen Film über diese großartige Selbstperformerin machen sollte. Da Susan regelrecht abgetaucht war für mehr als ein Jahrzehnt, konnte ich den Faden erst wieder um 2015 aufnehmen. Sie war sofort bereit, sich portraitieren zu lassen, liebte die Kamera, insbesondere wenn Kameramann Alexander Schmalz dahinter stand. Und so entstand ein Film, für den Drehs genauso häufig abgesagt wie zugesagt wurden, verschoben werden mussten, weil Susan unpässlich war. Irgendwas war immer, leicht war das nicht.

Aber wir hielten durch und hielten aus. Immer mit dem Lohn großer, teils extrem krasser Unterhaltung. Nicht alles war gut für die Öffentlichkeit. Ich hatte Verantwortung für Susan, wollte ihr nicht schaden. Das war eine Gratwanderung. Offenbar ist sie geglückt, zumindest überstanden wir jeden Absturz und mit dem Ergebnis war sie bei einer ersten Privatvorführung hochzufrieden. „Tim, ich liebe Dich!“ äußerte sie während dieser ersten Vorführung im Kreis einiger Freunde alle fünf Minuten.

Bei der Erstaufführung während des Achtung Berlin-Festivals brachte sich Susan ununterbrochen mit Live-Kommentaren ein. Diese changierten zwischen Zustimmung und Kritik.  Abenteuer Susan, eine Reise, auf die ich mich gerne eingelassen habe und die wohl noch lange nicht zu Ende ist.

Susan ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die ich kenne. Ihre Direktheit hat eine Kraft, die umhaut. Susan ist wahrlich umwerfend und wenn mir gelungen ist, dies in meinem bunten, authentischen Portrait wiederzugeben, dann habe ich mein Ziel erreicht. Ich verehre Susan und mein Film kann durchaus als Liebeserklärung verstanden werden. Vielleicht in genau der Form, in der auf der Loveparade mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ und sehr viel Drogen das Leben gefeiert wurde, am Abgrund eines feuerspeienden Vulkans. In einer Gegenwelt.“

Kino Trailer (deutsch)

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Pressestimmen & Kommentare

“Wenn man so einen Dokumentarfilm sieht über eine Person und dieser Dokumentarfilm sich so ganz einlässt auf diesen Menschen, der eine hinreißende Persönlichkeit ist, aber auch eine saftige Zumutung, auch für sich selbst, […] wird einem die Person sehr vertraut.” (radioeins)

„Character One: Susan“ ist ein sehr intimes Porträt geworden. Intim, jedoch nicht voyeuristisch.” (Kino-Zeit)

“Das Endergebnis ist ein intimer Einblick in einen Alltag mit schizoaffektiver Störung.” (Programmkino.de)

“Dieses bunte Puzzle, welches Susan heißt, wird von Tim Lienhard mal schauspielerisch divenhaft, fast theaterartig neonfarben, mal roh, mal ganz pragmatisch in schwarz-weiß dargestellt. Der Look der Dokumentation ist nicht nur ein schönes Abbild von ihr, zeitgleich spiegelt es auch Berlin wider. Roh, unverblümt und abgeklärt ist das Porträt einer Frau, die viel durchgemacht und erlebt hat.” (Film-rezensionen.de)

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