Das Todeshaus am Fluss

Regisseur Fritz Lang prägte die Filmgeschichte mit, indem er – vor allem in der Ära des späten Stummfilms und des frühen Tonfilms – neue ästhetische und technische Maßstäbe setzte. Seine Filme erzählen zumeist utopische und fantastische Geschichten, die in einer expressiv düsteren Atmosphäre inszeniert wurden. Der Stummfilm “Metropolis” (1927) und der Tonfilm “M – Eine Stadt sucht einen Mörder“(1931) gehören zu den Meilensteinen der deutschen und internationalen Filmgeschichte. Mit dem Film “Das Todeshaus am Fluss“, ebenfalls von Fritz Lang, veröffentlicht UCM.ONE den zweiten Teil der “Édition Film Noir” erstmalig und limitiert in einem Mediabook als DVD im deutschsprachigen Raum.

Inhaltsangabe:

Der erfolglose Schriftsteller Stephen Byrne (Louis Hayward) lebt zusammen mit seiner Ehefrau Marjorie (Jane Wyatt) und seiner neuen Haushälterin Emily Gaunt (Dorothy Patrick) in einer Villa am Ufer eines Flusses. Als er eines Nachmittages im Garten seines Hauses an einem neuen Manuskript arbeitet, erhält er per Post die Absage für sein letztes Werk. Enttäuscht durch diesen erneuten Misserfolg, gönnt er sich zwei Gläser Whiskey. Seine Frau ist an diesem Tag in der Stadt und weil die Dusche der Haushälterin defekt ist, erlaubt Stephen ihr, abends die Dusche im oberen Stock zu benutzen. Berauscht vom Alkohol und aufgereizt durch den Duft ihres Parfums, stellt er Emily nach und wird zudringlich. Als diese bei seinem Annäherungsversuch laut zu schreien beginnt, umklammert er Emilys Hals und ersucht sie, doch endlich Ruhe zu geben – bis Emily schließlich schweigt…

Über Regisseur Fritz Lang:

Friedrich Christian Anton Lang wurde am 05. Dezember 1890 in Wien geboren, wo er als Sohn eines Architekten aufwuchs, ebendort zunächst Architektur und später Malerei studierte. Heute gilt er als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte, da er sämtliche handwerklichen Möglichkeiten des Mediums Film voll ausschöpfte und sowohl mit seinen Stumm- als auch Tonfilmen neue ästhetische, stilistische und technische Maßstäbe setzte.

Die Karriere des Ausnahmeregisseurs begann 1918, als er nach zweimaliger Verwundung im Ersten Weltkrieg als kriegsuntauglich erklärt wurde und zunächst als Regisseur im Theater der Truppenbetreuung tätig war. Seine erste Stummfilmregien folgten prompt 1919 mit den Melodramen „Halbblut“ und „Der Herr der Liebe“ bei der Decla Film. Bis heute gelten seine beiden Erstlingswerke leider als verschollen. Mit dem Abenteuer-Zweiteiler „Die Spinnen“ von 1920 setzte Lang seine Regietätigkeit bei der Decla Film fort und lieferte damit einige typische Elemente des Abenteuerfilms, wie etwa den verwegenen Abenteurer mit Hut und Lederjacke, den man in Figuren wie Indiana Jones noch heute wiederfindet. Internationale Bekanntheit erlangte er 1921/22 mit seinem Zweiteiler „Dr. Mabuse, der Spieler“, mit Rudolf Klein-Rogge und Aud Egede Nissen in den Hauptrollen. Nach dem Erfolg seines Epos „Die Nibelungen“ (1924), legte Lang zunächst eine kreative Pause ein und reiste in dieser Zeit für einige Monate die USA, wo er die dort ansässigen Filmstudios besuchte.

Vermutlich war es sein Besuch in New York und der Anblick der dortigen Hochhäuser, die ihn zu einem der monumentalsten Stummfilme der Filmgeschichte inspirieren sollten. Das dystopische Meisterwerk „Metropolis“ (1927) zählt heute zu den absoluten Meilensteinen der Filmgeschichte und als erster Science-Fiction-Film in Spielfilmlänge. Der Film entstand zwischen 1925 und 1926 und erschien 1927 zunächst in einer knapp zweieinhalbstündigen Version, die sowohl bei Kritikern als auch Publikum durchfiel. Auch die gekürzte Fassung von knapp zwei Stunden erntete nur mäßigen Beifall und so brachte der mit fünf Millionen Reichsmark bis dato teuerste Film der deutschen Filmgeschichte die damalige Universum Film AG an den Rand des finanziellen Ruins. Die hohen Kosten waren einerseits Langs Perfektionismus geschuldet, andererseits den aufwändigen Kulissen und der Tricktechnik wie auch ungünstigen Wetterbedingungen. Dies führte dazu, dass Lang seine beiden letzten Stummfilme selbst produzieren musste. Beide, „Spione“ (1928) und „Frau im Mond“ (1929), waren jedoch kommerziell erfolgreich, obgleich die Ära des Stummfilms Anfang der 1930er langsam ihr Ende fand.

Original Titel: House by the River

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: Mel Dinelli

Novelle: A.P. Herbert

Schauspieler*innen: Louis Hayward, Lee Bowman, Jane Wyatt, Dorothy Patrick, Ann Shoemaker, Jody Gilbert, Peter Brocco, Howland Chamberlain, Margaret Seddon, Sarah Padden, Kathleen Freeman, Party Guest, Will Wright, Leslie Kimmell, Edgar Caldwell, Edward Clark, Frank Dae, Watson Downs, Edythe Elliott, William Fawcett, Alex Gerry, Ethel Greenwood, Frank Jaquet, Candy McDowell, Judy Sochor, Carl ‘Alfalfa’ Switzer, George Taylor

Produzenten:  Howard Welsch, Robert Peters

Kamera: Edward Cronjager

Technik: Henry Cronjager Jr., Tad Gillum

Ton: Dick Tyler Sr., Howard Wilson

Schnitt: Arthur Hilton

Makeup: Peggy Gray, Bob Mark

Kostüme: Adele Palmer

Musik: George Antheil

 

Produktion: Fidelity Pictures Corporation

Produktionsjahr: 1950

Genre: Drama, Film Noir

Länder: USA

Sprache: Englisch

Synchronisation: Deutsch

 

Länge: 82 Min

FSK: 12

Seitenverhältnis: 1.37 : 1

Ton: Mono (RCA Sound Recording)

Farbe: Schwarz-Weiss

Auflösung: HD

Weitere Titel:

Englisch (Arbeitstitel): Floodtide

Deutsch: Das Todeshaus am Fluss

Französisch: Au fil de l’eau

Spanisch: La Casa del Río

Portugiesisch: A Casa à Beira do Rio

Italienisch: Bassa marea

Russisch: Дом у реки

Filmlabel: Artkeim²

 

Premiere: 23.03.1950 (Los Angeles, California)

Kinostart: 25.03.1950

DVD-Start: 11.10.2019 (Deutschland)

VOD-Start: 11.10.2019 (Deutschland)

Der Tonfilm gab Lang ein neues filmisches Werkzeug an die Hand und mit „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ lieferte er 1931 ein Tonfilmdebüt, welches Ton geschickt als unterstützendes Medium des Bildes einsetzte. Das immer wiederkehrende „In der Halle des Bergkönigs“, schief gepfiffen von Kindermörder Beckert, verlieh der kranken und getriebenen Figur eine weitere düstere Ebene und löste am Ende gleichzeitig die Geschichte auf. Mit seinem zweiten Tonfilm, „Das Testament des Dr. Mabuse“, kehrte Lang 1933 zu einem „alten Bekannten“ zurück und brachte erneut den Archetypus des kriminellen Genies auf die Leinwand. Nach seiner Uraufführung wurde der Film jedoch von den Nationalsozialisten verboten, da die in der Psychiatrie einsitzende Hauptfigur, die ein Handbuch für Verbrecher schreibt, dem Reichspropagandaministerium eine zu deutliche Anspielung auf Adolf Hitlers Gefangenschaft und das Verfassen von „Mein Kampf“ war.

1933 sollte auch das Jahr sein, in welchen Lang Deutschland verließ. Zwar drängte ihn Propagandaminister Joseph Goebbels, in Deutschland zu bleiben, bot ihm gar die Leitung des deutschen Films an, Lang jedoch wollte sich in seinem kreativen Schaffen nicht von den Nazis einschränken lassen und emigrierte zunächst nach Frankreich, wo er Ferenc Molnárs „Liliom“ filmisch adaptierte. Im selben Jahr siedelte er in USA, genauer nach Hollywood um, wo er 1936 bei MGMBlinde Wut“ drehte und zudem maßgeblich an der Gründung der Hollywood Anti-Nazi League beteiligt war. Somit setze er seine Arbeit zwar in den USA fort, an alte Erfolge konnte er jedoch kaum anschließen. Ab den 1940ern widmete sich Fritz Lang mit verschiedenen Filmen, darunter „Menschenjagd“ (1941), „Auch Henker sterben“ (1943) und „Ministerium der Angst“ (1944) dem Anti-Nazi-Film. Auch seine Film Noir „Gefährliche Begegnung“ (1944) und „Straße der Versuchung“ (1945) fanden durchaus Anklang beim Publikum, das Ende der 40er-Jahre gestaltete sich jedoch schwierig und Langs „Geheimnis hinter der Tür“ von 1948 war sowohl bei Kritikern als auch Publikum ein Flopp. Zudem führten Streitigkeiten mit mehreren Produzenten zu Problemen und so verschlug es Lang Anfang der 1950er zu Republic Pictures, einem kleinen Studio, welches in erster Linie für B-Filme bekannt war. „Das Todeshaus am Fluss“ entstand daher mit eingeschränktem Budget und ohne die Mitwirkung bekannter Hollywoodgrößen. Die Leistung der Schauspieler und vor allem die Regie Langs wurden jedoch gelobt und auch nachfolgende Filme fanden wieder mehr Aufmerksamkeit. 1956 kehrte Lang zunächst nach Europa zurück, wo er die Regie vier weiterer Filme übernahm. Schließlich jedoch kehrte er in die USA zurück, wo er am 02. August 1976 verstarb.

Fim Noir – Licht und Schatten und Rauch:

Der französische Filmkritiker Nino Frank erwähnte zum ersten Mal den Begriff „Film Noir“, um damit eine Reihe Hollywoodfilme der frühen 1940er-Jahre zu beschreiben, die seiner Meinung nach eine dunklere Spielart des Kriminalfilms verkörperten. Bis heute herrscht über die genaue Begriffsdefinition Uneinigkeit und die Frage, ob der Film Noir nun ein Stilmittel ist, oder ein eigenes Sub-Genre, vielleicht des Krimis, bleibt unbeantwortet. Zum einen wird versucht, das Ganze zeitlich zu fassen und die Ära des Film Noir reicht von 1941 mit „Die Spur des Falken“ bis 1958 mit „Im Zeichen des Bösen. Auch stilistische Elemente wie starke Hell-Dunkel-Kontraste werden als Definitionskriterium bemüht.

Regisseur und Filmkritiker Paul Schrader etwa unterteilt den klassischen Film Noir in drei zeitliche Perioden: Diese beginnen mit der sogenannten wartime period, also jenen Filmen der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die zwischen 1941 und 1946 entstanden. Hier etablierte sich das allseits bekannte und romantisch etwas verklärte Bild des einsamen Privatschnüfflers, der allein in seinem verrauchten Büro sitzt und durch dessen Tür eine mysteriöse Klientin tritt. Die zweite Phase nennt Schrader die post-war realistic period, die Zeit des Realismus nach dem Krieg. Sie reicht bis 1949 und beschäftigt sich stärker mit der Realität des Verbrechens, wie es auf der Straße vorkommt, mit Korruption und dem Alltag der Ermittlungsbehörden. Die dritte und letzte Periode – die etwa von 1949 bis 1953 reicht – nennt Schrader „period of psychotic action and suicidal impulse“, welche von gestörten Persönlichkeiten und selbstzerstörerischen Handlungen geprägt ist.

Trailer (deutsch)

Pressestimmen & Zitate

„[…] düster-makabres Krimi-Melodram, angesiedelt in der für Fritz Lang typischen Atmosphäre moralisch-ethischer Zweideutigkeiten.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Lang lässt Stephen Byrne zu einer wahrlich getriebenen und gepeinigten Größe gedeihen – Film Noir in Reinkultur.“ (Der Film Noir)

„Das Todeshaus am Fluss ist ein durchweg expressionistischer, düsterer Film. […] Zugleich ist der Film erneut Musterbeispiel für das Gespür des Regisseurs für Takt und Timing, denn dieses war neben der Kameraführung und Lichtsetzung sicher eins seiner Markenzeichen.“ (Der Film Noir)

„Fritz Lang in seiner düstersten und perversesten Art und Weise.“ (Dennis Schwartz auf “Ozus’ World Movie Reviews”)

Ausstattung und technische Daten des Mediabooks

Original Kinoversion, 16-seitiges Booklet, Artworkmaterial, Original Trailer | Bildformat: Vollbild 1.37:1 (Originalformat), Schwarz-Weiß-Film | Laufzeit: 81 Min | Tonformat: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0 | FSK 16 | Édition Film Noir Nº 2

Neuigkeiten

Édition Film Noir Nº 2: “Das Todeshaus am Fluss” ab heute erhältlich

Mit “Das Todeshaus am Fluss” (1950) von Fritz Lang setzt UCM.ONE auf dem Label Artkeim² die Édition Film Noir fort. Nach “Der Mann, den keiner kannte” erscheint nun auch dieser Filmklassiker, ein spätes Werk von Meisterregisseur Fritz Lang, sowohl auf DVD als auch VoD, wobei die physische Erstauflage zum Start in limitierter Auflage in einem…

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UCM.ONE startet die Serie “Édition Film Noir” auf dem Label Artkeim²

Mit den beiden Filmen “Der Mann, den keiner kannte” (1957) von John Gilling und “Das Todeshaus am Fluß” (1950) von Fritz Lang startet UCM.ONE auf dem Label Artkeim² die Édition Film Noir, auf der zukünftig regelmäßig weitere Film Noir Perlen veröffentlicht werden. Die Filme werden sowohl physisch als auch digital veröffentlicht, wobei die physische Erstauflage jeweils zum…

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