CC BY-SA 4.0 / Bild: Heike Huslage-Koch (Bild wurde zugeschnitten / in Schwarzweiß umgewandelt)

Am 8. April 2026 ist Mario Adorf im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris verstorben. Mit ihm verliert das europäische Kino einen seiner letzten großen Charakterdarsteller — und eine Persönlichkeit, die das deutsche Nachkriegskino über sieben Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Mario Adorf war nie ein gefälliger Schauspieler. Er war eine Naturgewalt. Seit seinem Filmdebüt 1954 in Paul Mays Kriegsdrama 08/15 brachte er eine physische Intensität auf die Leinwand, die das deutsche Kino bis dahin nicht kannte. Seinen Durchbruch verdankte er der Rolle des vermeintlichen Serienmörders Bruno Lüdke in Robert Siodmaks Nachts, wenn der Teufel kam (1957), für die er den Deutschen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller erhielt — ein Preis, der seinen Weg vorzeichnete: Adorf spielte fortan die Unberechenbaren, die Getriebenen, die Gefährlichen.

Dabei war seine Bandbreite enorm. Er arbeitete mit Sam Peckinpah (Major Dundee), Billy Wilder (Fedora) und Claude Chabrol, drehte Italowestern mit Sergio Corbucci und verkörperte den legendären Bösewicht Santer in Winnetou I. In Fernando Di Leos Milano Kaliber 9 gab er einen cholerischen Mafioso, der zwischen Wutausbrüchen und stiller Bedrohung changierte. Doch seine bedeutendsten Rollen fand er im Neuen Deutschen Film: als Blechtrommler-Vater Alfred Matzerath in Volker Schlöndorffs Oscar-prämierter Die Blechtrommel (1979) und als korrupter Bauspekulant in Rainer Werner Fassbinders Lola (1981). Adorfs Kunst bestand darin, Schurken so menschlich zu spielen, dass das Publikum sich auf der Seite des Bösen wiederfand — und genau das nicht bereute.

Gleich vier Filme mit Mario Adorf finden sich im Katalog von UCM.ONE: Gerd Oswalds Am Tag, als der Regen kam (1959), in dem Adorf als junger Bandenführer sein ganzes körperliches Charisma ausspielt, Will Trempers Die endlose Nacht (1963), das politische Drama Die Ermordung Matteotis (1962) sowie Milano Kaliber 9 (1972). Trempers Film verdient dabei besondere Erwähnung: Gedreht ohne fertiges Drehbuch, nachts in der Abfertigungshalle des Flughafens Berlin-Tempelhof, taucht Adorf darin in einem wortlosen Cameo auf — für wenige Sekunden klopft er vergebens an die Scheibe seiner Liebsten, die ihn verleugnet. Eine Szene ohne Text, und doch unverkennbar er. Der Film, heute filmhistorisch wichtiger Teil des UCM.ONE-Vertriebskatalogs unter dem Label Darling Berlin, wurde bei der Berlinale 2024 in der Retrospektive wiederentdeckt. Klaus Lemke sagte einmal: „Ohne Will Trempers Endlose Nacht wäre der deutsche Nachkriegsfilm ein großer Irrtum.“

Mit seinem letzten Bühnenprogramm Zugabe hatte sich Adorf bei seinem Publikum für die „jahrzehntelange Treue“ bedankt. Es war eine Geste, die in ihrer Schlichtheit alles sagte über einen Schauspieler, der über 200 Filme drehte und dabei nie aufhörte, sein Gegenüber ernst zu nehmen — ob vor der Kamera oder im Saal.

Mario Adorf hinterlässt seine Ehefrau Monique, seine Tochter Stella und seinen Enkel Julius.

Am Tag als der Regen kam | Trailer (deutsch) ᴴᴰ

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Die endlose Nacht | Trailer

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Milano Kaliber 9 (1972) [Action] [Krimi] Mario Adorf knallhart | Ganzer Film auf deutsch

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