Back to Nothing“ ist der zweite lange Spielfilm des Fotografen, Autoren und Filmemachers Miron Zownir. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in verwaisten Industrieanlagen und Abbruchhäusern in Berlin, die schon heute nicht mehr existieren. Mit einer eigensinnigen Mischung von Grauen und Komik erzählt der Film die Moritat einer Gruppe von urbanen Nomaden, die auf der Flucht vor den Abrissbaggern der Stadterneuerer von Ruine zu Ruine ziehen. Als auch ihr jüngster Unterschlupf gesprengt werden soll, bricht Panik aus. Kongo, Strasser, Bobby und Jackie müssen verschwinden – zurück ins Nichts. In kompromisslosen Schwarzweißbildern zeigt Zownir eine albtraumhafte Schattenwelt ohne Hoffnung und Moral, die ihre Bewohner auf die niederste Ebene des Überlebens zwingt.

Kongo (Birol Ünel), ein am Leben zerbrochener Apokalyptiker, driftet einsam durch die Brachen der Stadt und verkündet Verderben, Ende und Untergang. Strasser (Timo Jacobs) kehrt auf der Suche nach einer neuen Bleibe zu seiner Frau Luna (Meret Becker) zurück, die im Drogenrausch alten Lebensträumen nachhängt. Der halbherzige Versuch einer Versöhnung endet im Fiasko. Strasser verliert den Verstand und beginnt mit Leichenteilen zu handeln, die er als Schweinefleisch deklariert. Sein bester Kunde ist Muckie (Rummelsnuff), ein naiver Ex-Catcher, der in MMA-Fights ohne Limit um sein nacktes Überleben kämpft und unwissentlich seinen eigenen Zwillingsbruder verspeist. Die transsexuelle Prostituierte Jackie (Aljkzindyr Narmer), von ihrem zynischen Zuhälter Bobby (Milton Welsh) sitzengelassen, verliebt sich in Muckie und sucht seinen Schutz. Der umtriebige Bobby, ein krimineller Alleskönner, crackabhängig und gewissenlos, steigt derweil in Strassers Fleischhandel ein. Zum Schrecken der Beteiligten geht Muckie, was die Umstände des Todes seines Zwillingsbruders anbelangt, langsam ein Licht auf. In einem Ablenkungsmanöver drängt Bobby ihn zu einem abgekarteten Preiskampf, der von Pontius (King Khan), dem Anführer einer satanistischen Gang, organisiert wird. Muckies Gegner: Jackie. Nichts läuft wie geplant und das Spektakel endet in einem Blutbad.

Ein desillusionierter Kripobeamter (Marc Philipps), der zuvor bereits Strasser auf die Schliche gekommen war, wird mit dem Fall beauftragt. Doch in einer Welt in der ein Menschenleben wertlos ist, zählen am Ende selbst die Gewinner und Überlebenden zu den Verlierern. Es ist Kongo, der todessüchtige Untergangsprophet, der das letzte Wort hat, obwohl ihm längst niemand mehr zuhört.

Die Filme Miron Zownirs erzählen, wie sein fotografisches und literarisches Werk, von den existentiellen Abgründen des Lebens. Seine Protagonisten sind ausgestoßene, besiegte, entfremdete Außenseiter, die in einer morbiden, kaputten und zukunftslosen Stadt untergehen – Erniedrigte und Beleidigte im Ringen um einen Rest von Würde, Trost, Vergnügen und Hoffnung. „Back to Nothing“ entstand erneut in Zusammenarbeit mit Kameramann Philip Koepsell. Die von rauer Melancholie durchtränkten Schwarzweißbilder des Teams Zownir/Koepsell lenken den Blick auf Schattenseiten Berlins, die man so noch nie sah: Eine groteske Vision der bewunderten deutschen Hauptstadt als Alptraumstadt.

Wie nur wenigen zeitgenössischen Fotografen, ist es Miron Zownir, in seiner über 35-jährigen Arbeit als Chronist der Subkultur, gelungen über die Jahrzehnte hinweg ein außergewöhnlich konsequentes und überaus einheitliches fotografisches Werk zu schaffen. Zownir, der „Poet der Radikalen Fotografie“, wie der legendäre amerikanische Autor Terry Southern ihn einst nannte, portraitiert schon seit Ende der 70er Jahre auf unverwechselbare Weise Menschen in konfliktgeladenen sozialen Milieus und ist seinen gesellschaftskritischen und tabubrechenden Sujets bis heute treu geblieben.

Miron Zownirs existentialistischen s/w-Fotografien aus westlichen Metropolen wie Berlin, London, New York oder dem postkommunistischen Osteuropa erscheinen wie das Vermächtnis von Lebensräumen und ihren Bewohnern, die längst in den städtischen und gesellschaftlichen Transformationsprozessen verlorengegangen sind und mittlerweile als historisch betrachtet werden können. Seine Fotografien wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, u.a. im Fotomuseum Winterthur/Schweiz in den Ausstellungen Darkside I und Darkside II (2008/2009), gemeinsam mit den Werken anderer renommierter Fotokünstler, darunter auch Nobuyoshi Araki, Nan Goldin, Robert Mapplethorpe, Weegee, Larry Clark, Robert Capa, Don Mc Cullin u.a.

In der Ausstellung „Salvaje Europeo“ (CCCB, 2004) wurden Zownirs Bilder in einer Sammlung ikonographischer Darstellungen der Figur des „Europäischen Wilden“ aus 2000 Jahren präsentiert, gemeinsam mit Werken von u.a. Dürer, Cranach, der Ältere, Goya oder Picasso.

2016 hatte er eine vielbeachtete Einzelausstellung im Haus der Fotografie, in den Deichtorhallen in Hamburg und wurde zum zweiten Mal in Folge für als Visual Leader für den LEADS AWARD nominiert.

Kommentare über Miron Zownir:

„Miron Zownir ist ein Künstler, der mit seinen Einblicken die verspießten, scheinheiligen, scheinmoralischen Seiten der Gesellschaft geißelt, mit seinem tun das Krasse festhält, auf den Auslöser drückt und ins Schwarze, das heißt ins Tabuisierte trifft: das nur schwer zu ertragende Anderssein in der Anderswelt.“ (Peter Wawerzinek, Autor und Ingeborg Bachmann Preisträger 2010)

„Miron Zownir treibt sich gern dort herum, wo es wehtut. Wo es wehtut zu leben. Und wo es wehtut hinzuschauen. In den Abbruchgebäuden New Yorks. Auf den Müllhalden der Ukraine. In der Gosse Moskaus. Was er zeigt, sind Daseinsformen im Extrem. Momente eines Irrsinns, zwischen Alkohol und Drogen, Kleinkriminalität, Prostitution und Spielarten des Sex, in denen die Schmerzgrenze nicht nur ausgereizt wird, sondern mit Volldampf überschritten. Er ist unterwegs in einer Schattenwelt, in der häufig ein Teufel und manchmal der Tod selbst seine Begleiter zu sein scheinen. Seine Bilder muss man nicht anschauen wollen. Sie sind Schläge in die Magengrube. Aber es schadet nicht, dass ein Fotograf diese Welten dokumentiert. Miron Zownir nennt sie Wirklichkeit.“ (Freddy Langer, in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 30. März 2017)

Pressezitate zum Film:

„Liebe für die dunklen Abgründe des Menschen.“ (Stern)

„Miron Zownir fragt nicht um Erlaubnis, er drückt einfach ab. Betrunkene im Dreck. Nackte. Obdachlose – das sind seine Motive.“ (Bild)

„Miron Zownir gehört zu den radikalsten Fotografen der Gegenwart.“ (Monopol Magazin)